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Götterbaumaktion

OGV-Malsch
vor 18 Minuten
3 Min. Lesezeit

Am 6. August 2019 hat ein kräftiger lokaler Gewittersturm (Downburst) den Landstrich zwischen Malsch und Ettlingen entwaldet. Die Straßen, darunter die B3 und L607, waren durch umgefallene Bäume blockiert und wurden dann unter Anleitung unseres Malscher Försters Hans Carl Steinfatt von lokalen Forstbetrieben beräumt.

Neben dem Platz des FV Sulzbach, an der Grenze zur Gemarkung Ettlingen sind mittlerweile einige der verwüsteten Flächen wieder bewachsen. Zwischen den omnipräsenten Brombeerhecken kämpfen sich einzelne Ahornbäume und Eichen ihren Weg himmelwärts. Allerdings haben auch einige Götterbäume die Gunst der freien Flächen genutzt und sich rasch verbreitet. Diese Spezies steht auch der EU-Liste invasiver Arten und verpflichten zur Bekämpfung. Handel und Verkauf von Götterbäumen wird mit Strafen um 20.000€ belegt.


Die Blätter der Götterbäume haben eine sehr interessante Form. Wir könnte man die beschreiben?


Götterbaum - fachgerecht ausgegraben. Bild: J. Seekircher
Götterbaum - fachgerecht ausgegraben. Bild: J. Seekircher

Frau Voigt vom Forstamt Bruchsal und der Malscher Forst geleitet von Herrn Steinfatt baten einige Malscher Vereine um Mithilfe beim Zurückdrängen der Götterbäume. Wir haben hier den Termin veröffentlicht und in einem Beitrag ein paar Details zum Götterbaum beschrieben.

Und so traf sich eine Gruppe Interessierter Naturfreunde beim FV Sulzbach um aktiv Hand anzulegen und den Götterbaum vor Ort zurückzudrängen.

Nach einer Erläuterung und Einweisung durch Frau Voigt ging es ans Werk. Dabei gilt es zu beachten, daß der Götterbaum auf Verletzungen mit verstärktem Wurzelaustrieb reagiert und sich noch mehr vermehrt. Einfaches Absägen ist also keine Option.

Und Götterbäume sollten nur mit Handschuhen, welche vom Forstamt gestellt wurden, angefasst werden. Die Säfte können Hautreizungen auslösen.

Je nach Größe des Baumes kommen folgende Methoden zum Einsatz:

  • Ausreißen mitsamt der gesamten Wurzel. Das ist praktisch nur bei recht jungen und kleinen Pflanzen möglich

  • Ausgraben des Baums mitsamt der gesamten Wurzel. Auch hier gibt die Größe des Baumes und sein verzweigtes Wurzelwerk recht rasch eine Grenze des Machbaren vor

  • Ringelung des Baumes.  Dabei wird über eine Länge von ca. 10 cm die Rinde und das Kambium fast über den gesamten Umfang entfernt.  Ein schmaler Streifen muß stehen bleiben, damit der Baum noch etwas versorgt wird und nicht sofort mit verstärktem Wurzelaustrieb als Notreaktion reagiert. Im nächsten Frühjahr und Sommer wird sich der Baum nicht mehr ausreichend versorgen können und absterben. So weit das Lehrbuch. Ob die Bäume auch dem Lehrbuch folgen, werden wir nächstes Jahr sehen.


Gätterbaum geringelt. Ein dünner Streifen bleibt intakt, damit der Baum keine Nottriebe startet. Bild: J. Seekircher
Gätterbaum geringelt. Ein dünner Streifen bleibt intakt, damit der Baum keine Nottriebe startet. Bild: J. Seekircher

Das Forstamt stellte Handschuhe und Werkzeuge zur Verfügung. Neben verschiedenen Spaten waren Hippen (oder Heppen genannt) zum Ringeln größerer und scharfe Winzermesser zum Ringeln kleinerer Bäume vorhanden.


Hippen und Weinbergmesser zum Ringeln der Rinde. Bild: J. Seekircher
Hippen und Weinbergmesser zum Ringeln der Rinde. Bild: J. Seekircher

Werkzeuge des Forstamts und Ballfund. Bild: J. Seekircher
Werkzeuge des Forstamts und Ballfund. Bild: J. Seekircher

Die entfernten Pflanzen und Pflanzenteile dürfen nicht im Wald verbleiben, sondern müssen der Verbrennung oder dem Restmüll zugeführt werden. Auch das Einstreuen von gehäckselten Götterbäumen ist keine sichere Entsorgung und sollte unterlassen werden. Also eine ähnliche Verfahrensweise wie beim Bambus.


Pflanzenreste zum Abtransport zur fachgerechten Vernichtung. Bild: J. Seekircher
Pflanzenreste zum Abtransport zur fachgerechten Vernichtung. Bild: J. Seekircher

In einigen herrschaftlichen Parks, wie dem Landesarboretum Hohenheim, haben Götterbäume beeindruckende Größen erreicht. Diese Bäume werden nicht mehr gefällt, aber dem horizontalen Wurzelwachstum wird eine Grenze durch Barrieren, die rund um den Baum im Boden eingelassen werden, gesetzt.


Zurück zur Blätterfrage vom Eingang. Das Blatt ist nicht das, was der Laie erwartet. Nicht die kleinen einzelnen "Blättchen" sind das wahre Blatt, sondern das gesamte Gebilde, welches sich vom Ast abzweigt. Der Götterbaum hat also gezackte, gefiederte Blätter.

Rot umrandet ist ein einzelnes gezacktes Blatt. Im blauen Kreis sieht man die seitlichen Wurzeltriebe. Bild: J. Seekircher
Rot umrandet ist ein einzelnes gezacktes Blatt. Im blauen Kreis sieht man die seitlichen Wurzeltriebe. Bild: J. Seekircher

Wer derzeit beim FV Sulzbach vorbei geht, sieht noch diese Blätter der stolzen Götterbäume. Den nächsten Sommer sollten die geringelten Bäume nicht überleben. Wir behalten das im Auge.


  • Die aktive Truppe. Bild: J. Seekircher
  • Ein fachgerecht ausgegrabener Götterbaum. Bild: J. Seekircher
  • Rot markiert: Ein einzelnes gezacktes Blatt. Blau: WurzeltriebeBild: J. Seekircher
  • Fachgerecht ausgegraben. Die Wurzeltriebe sind deutlich zu erkennen. Bild: J. Seekircher
  • Ringelung. Der dünne Steg täuscht den Baum und verhindert Nottriebe. Bild: J. Seekircher
  • Pflanzenreste müssen entfernt und vernichtet werden. Bild: J.Seekircher
  • Das Werkzeugarsenal des Forstamtes. Bild: J. Seekircher
  • Fundstück. Bild: J. Seekircher
  • Noch stehen die Bäume. Aber ihre Tage sind gezählt. Bild: J. Seekircher

 
 
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